Morgenstunde (1180. Blog-Notat)

Wir haben den Beutezug der Woche auf gestern vorverlegt und nicht erst die heutige Ü-30-Grad-Marke abgewartet. So können wir vor die Tür gehen, solange es erträglich ist, wenn nicht, dann nicht. Die Pflanzen im Tomatenhäuschen bekamen noch ein weißes Laken als Sonnenschutz spendiert, ich hoffe, es hilft ihnen, die Hitze zu überstehen. Der Imkergatte ließ abends noch die Waben der 2. Schleuder kreisen. Mitte/Ende Juli wird er Abschleudern. Das Bienenjahr ist viel kürzer als das Kalenderjahr. Die Tierchen befinden sich schon im Herbst, während ihr Honig in den Abfüllgefäßen gerührt wird und reift. Aber auch wir rüsten schon für das zweite Halbjahr und haben heute Heizöl liefern lassen. 1000 Liter, damit kommen wir gerade bis zum Jahreswechsel. Die Ölkrise beschert schwankende Preise. Diese Ladung war satte 150 € teurer als die letzte in 2025. Wir wollen hoffen, dass die Preise wieder ein niedrigeres Niveau erreichen, möglichst stabil, bis dahin geraten solche Bestellungen zum Pokerspiel: Wer blinzelt, hat schon verloren. Via iPhone kam heute die Nachricht, unser für Samstag geplantes Dorffest wurde wegen Hitze abgesagt, das ist genau die richtige Entscheidung, wer tanzt schon bei 40 Grad… die Kreativität geht auch bald schlafen … Nachteulen schauen stattdessen: Fußball 😊

Lyrik-Krümel

Gestaltete Lyrik

Morgenstunde (1179. Blog-Notat)

Es ist besser. Die Temperaturen sind heute angenehm, so könnten alle Sommertage sein. Der Atem fließt ruhig. Nach dem ablehnenden Reha-Bescheid reise ich jetzt wieder nach innen: arbeite mit Reiki (habe den II. Grad), Affirmationen und Tai Ci, ein bisschen von allem fürs bessere Atmen und neue innere Kraft. Von Selbstheilung halte viel. Auch wenn es zuweilen „nur“ um das psychologische Momentum geht und um Energieflüsse. Die Lunge wird davon nicht heilen, aber die Atemmuskeln werden trainiert. Der Status einer chronisch kranken Künstlerin in Rente ist nicht sehr hoch in diesem Land. Man muss sich selbst kümmern, eigentlich wie immer in meinem Leben.

Die neue Kräuterecke am Haus.

Morgenstunde /1179. Blog-Notat)

Von der Hitze am Tag wurde mir übel. Nach dem Mittags-Gewitter klebte die Luft gleich wieder. Schwer von der Nässe. Die Hitze einzuatmen, lässt mich taumeln schon den zweiten Tag. Die Beine werden schwer, ich komme nicht weit und ziehe das abgedunkelte Häuschen vor. Hier wird die Luft dick. Der Ventilator dreht den Mief. Es kommen nachmittags unverhofft junge Gäste. Sie schauen dem Imkergatten beim Schleudern zu. Ich habe Mühe, die Sitzkissen für sie zu platzieren, wieder Taumeln. Der Blutdruck steigt, ich koche Kaffee und werfe eine Ramipril ein. Als der Kaffee durchgetröpfelt ist, kommen die Gäste mit dem Liebsten aus der Bienenküche. Wir sitzen draußen, es geht mir nicht gut, aber ich möchte die Jungen nicht vergraulen… Die Ärztezeitung schreibt: „Sommerliche Hitzewellen erhöhen das zusätzliche tägliche Sterberisiko bei Menschen mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankungen (COPD) um bis zu 14 Prozent, bei längeren Hitzewellen gar bis zu 43 Prozent.“ Ich weiß das, aber ich fürchte mich nicht. Die Krankenkasse hat auch nach meinem Widerspruch eine Reha abgelehnt.

Morgenstunde (1178. Blog-Notat)

Ist ja sonst nicht viel los, aber einige lustige „Begegnungen“ gab es die Woche schon. Da rief ein Fensterputzer aus Bad Freienwalde an und fragte nach dem Motiv des Joachimsthaler Kaiserbahnhofs. Er hatte es im Bahnhof gesehen, sich nach meiner Telefonnummer erkundigt und nun fragte er. Wir sprechen von einer Postkarte für 1 Euro 😊. Vorbeikommen dafür? Das war ihm zu weit. Also bot ich den Versandt an. Kontoüberweisung für 1 Euro??? Wir kamen ins Witzeln und weil das so lustig war, meinte ich, ich schicke und er könne ja mal irgendwann, wenn der Job ihn in die Nähe treibt, auf nen Kaffee vorbeikommen. Ich glaube, der Mann glaubt nun gelegentlich an das Gute im Menschen 😊. Ich hab ihm drei Karten geschickt.

Einen Tag später fragte eine Dame aus dem Raum München das Buch „Die Mohnfee und die verschwundene Zeit“ via Mail an. Für ein besonderes Geschenk. Ein richtiges Buch allein zur Mohnfee gibt es nicht. Ich dachte, meine handgefertigten Minis wären vielleicht nicht das Passende und so empfahl ich ihr das schöne Geschichtenbuch „Die Gabe der Nebelfee“, darin ist die Mohnfee enthalten. Die Frau ging auf den Link zum Verlag. Nö, sie wolle etwas Klitzekleines… also doch den 4. Titel aus der Kurtschlager Edition und siehe da, genau so etwas wünschte sie sich. Also eintüten und ab geht’s. Kleine Verrichtungen im Tag…

Morgenstunde (1177. Blog-Notat)

Die Tage huschen zwischen Heftebau und Imkerei hin und her. Aber heute musste ich zum Lungen-CT nach Gransee – jedes Schlagloch hat meinen Hexenschuss angestachelt. Kinner ne…, ich dachte, er verdrückt sich langsam, denkste. Wieder daheim konnte ich mir die bewegten Bilder (noch nicht ausgewertet) mit einem Zugangscode virtuell ansehen. Sehr spannend, wie so eine Lunge arbeitet…
Mit den Entwürfen zu dem erwünschten Firmenlogo bin ich soweit durch und kann morgen die Farben anlegen, dann wäre diese Arbeit zum Wochenende abgeschlossen. Gut, denn da will der Imkergatte wieder schleudern. Ich bin gespannt, ob etwas Robinie dabei sein wird. Hatten wir lange nicht mehr, wegen der Spätfröste… Die drei Schwärme haben sich prächtig entwickelt, dass sie jetzt sogar schon einen Honigraum brauchen. Man sieht in diesen Tagen den Imker öfter in sich hinein lächeln – was will man mehr…

Morgenstunde (1176. Blog-Notat)

Die Hexe hext, ich falte weiter… während die aufgeregte Gesellschaft wie ein Hühnerhaufen herumflattert, anstatt den Laden zusammenzuhalten, bevor er implodiert. Noch mehr Abgaben und Sozialkürzungen verlangen die Reformer der Stunde, die strukturelle und grundsätzliche Reformen scheuen. Diese Aufgabe scheint zu groß für das politische Personal. Ich frage mich ernsthaft, wann in diesem Land endlich kluge und mutige Köpfe der Bürgerlichen Gesellschaft antreten, um einen Neustart zu wagen. Wo sind sie? Worauf warten diese gebildeten und erfahrenen Menschen? Nur sie können dieses Land verantwortungsbewusst aus der Irre führen und deshalb sollten sie sich für diese Herkulesaufgabe nicht zu schade sein. Die Menschen im Land brauchen Hoffnung und Visionen.

Morgenstunde (1175. Blog-Notat)

„Man kriegt ja immer mal was…“, meinte mal ein Lungen-Prof zu mir. Daran muss ich immer denken, wenn mal wieder etwas aus heiterem Himmel fällt. Diesmal war es ne Hexe. Ganz hinterlistig sitzt sie seit Montag im Gebälk, wandert und sticht bei dieser und jener Bewegungen fest zu. Einfach gemein. Pferdebalsam, Ibu, Heizkissen und Bandage helfen nur bedingt. Also ablenken in kleinen Verrichtungen, denn Dauersitzen geht auch nicht. Und so stehe ich (ab und zu) seit gestern am Pult und falte die MINIATUREN zum neuen Produkt, da kommt doch zwischen den Stichen Freude auf…

MINIATUREN, 6. Titel in der Reihe: ELSNER-EDITION hier:

MINIATUR (12)

Der Bücherstapel

Der Stapel Inselbücher war immer gleich hoch.  Wer eines dieser feinen Bändchen begehrte, musste dafür ein anderes mitbringen und es auf den Stapel legen. Inselbücher wurden hier ausschließlich getauscht und nicht verkauft. Eleonore Finger achtete akribisch darauf, dass keiner mogelte. Ihr Buchantiquariat war nicht mehr als ein mit Büchern beladenes Wohnzimmer einer lichtlosen Parterrewohnung. Das Einzige, was hier leuchtete, waren die wachen Blicke der dürren Frau mit dem kleinen Dutt. Ihr dunkles Kostüm hatte die Strenge eines Korsetts, aber ihre Schritte führten sie federleicht um den großen Tisch mit den getürmten Bücherstapeln herum. Die Regale an den Wänden waren zwar sorgsam sortiert, jedoch bedenklich gefüllt. Alles, was tragen konnte, wurde zum Platzhalter: Klavierhocker, Trittleiter, Teetischchen… Es roch nach Staub und altem Papier. Eleonore Finger wirkte wie die Hüterin eines heiligen Grals, und das war er wohl auch: ihr Bücherschatz. Im Grunde war es gar nicht ihr Schatz, sondern die Sammlung des verstorbenen Mannes, einst Professor für Germanistik. Wer hier einkehrte, wusste das und genoss das stille Entdecken und das schweigsame Blättern der Seiten. Manchmal stellte sie ungebeten einem Studenten einen feinen Grünen Tee hin, wenn sie sah, dass er mit dem Wachbleiben kämpfte. Dann deutete sie ihm auf den einzigen Stuhl im Raum und verschwand ein Weilchen hinter dem weinroten Samtvorhang, der ihre Wohnküche verbarg.
An diesem Nachmittag durchbrachen zwei Reisende den Tanz der Stille. Die Beiden unterhielten sich raumgreifend, bis sie an den Tauschstapel kamen. „Inselbändchen, und so viele!“ Sie zählten ihre Barschaft und suchten nun nach Raritäten. Ganz aufgeregt kam der sammelnde Reisende mit einem Dutzend Bändchen auf Eleonore Finger zu und sie fragte ihn: „Haben Sie mir zwölf Inselbändchen mitgebracht?“ „Was meinen Sie?“ „Na, glauben Sie wirklich, der Stapel wäre noch vorhanden, wenn ich sie einfach verkaufen würde? Sie können alle anderen Bücher erwerben, diese werden getauscht.“
Sein Gesicht wurde blass vor Enttäuschung: „Ich bin doch nur auf der Durchreise.“ Sie nahm langsam die Bändchen aus seinen Händen und sprach ungerührt: „Nun, dann müssen Sie halt wiederkommen.“

MINIATUR (11)

Am Rande

Als es der Demütigungen genug war, rappelten sich einige jenseits der Elbe und besannen sich ihrer Talente. Manches taugte dazu ein kleines Unternehmen zu gründen oder zu Freiberuflichem. Sie waren reife Erwachsene ohne Handgeld, nur ihr Können hielt sie am Rande des großen Marktes. Irgendwo im Regionalen hantierte die verdrängte Elite des Ostens. Für anderthalb Jahrzehnte, dann begannen die Gewissheiten zu schwimmen. Die Grundfeste: die Sprache wurde aufgeladen für einen Kampf, der auf Zerstörung von Selbstverständlichkeiten zielte. Gepflogenheiten und hohe Feste wurden attackiert. Die einen fuhren Autos in die Menge, die anderen schrieben das literarische Erbe und die Geschichte um. Und weil man sich ihrer nicht erwehren konnte, wählten viele aus Notwehr zu guter Letzt rechtskonservativ, und die Zeit blieb nicht stehen. Sie tickte nur anders, und am Rande wurde es eng.