MINIATUREN


Lücke in der Zeit

Als die Zeitung sparen musste, nahm sie keine Artikel mehr von freien Journalisten an. Schlagartig wurde es um den stadtbekannten Schreiber Wolf Kunze still. Keine hundert Mails mehr am Tag, auch das Telefon schwieg. Kunze war verwundert, denn er glaubte wirklich, dass ihn die Leute kontaktierten, weil er so ein feinfühliger Rechercheur war und seine Schreibe liebten. Unzählige Feste hatte er beschrieben, Menschen portraitiert, und so manchen Schwätzer, der sich um Kopf und Kragen redete, verantwortungsvoll beschützt. Nicht über alles, was man erfährt, muss man auch schreiben. Der Mann lebte noch Berufsethos. Aber nun konnte er ganz deutlich spüren: er war den Leuten egal, weil nicht mehr nützlich – und deshalb fiel er aus all ihren Leben.  Bis zu diesem Zeitpunkt vermutete der Schreiber, es bestünde zwischen all diesen Menschen und ihm eine gewisse Verbindung. Was für ein Irrtum. Er raufte sich die Haare, als er das erkannte. Aber gut, dachte der Kunze, von nun an hätte er endlich Zeit für das ganze Lebensbild. Nicht nur für den programmatischen Ausschnitt, den es brauchte, um – während die anderen zu feiern begannen – einen spritzigen Artikel vor Druckschluss zu schreiben, ein Foto auszuwählen, es zu betexten und beides via Mail in die Redaktion zu senden. Anfänglich wäre Kunze gerne bei diesen Festen geblieben, er war schließlich ein quietschfideler Menschenfänger, der auch einen oder zwei Schoppen Rotwein nicht verschmähte. Doch unter dem jahrelangen Termindruck wurde er immer ernster. Das Feste feiern war ihm unwichtiger geworden, bis er nun feststellte, er hatte es vollends verlernt. Wie geht Feiern? Er trank am Rande eines ländlichen Sommerfestes seinen Rotwein und sah still den Leuten beim Lachen und Tanzen zu, aber wusste mit dem was er sah so gar nichts anzufangen. Der Zeilenschinder kannte nur den programmatischen Ausschnitt, das pralle Leben floss schon lange an ihm vorbei.

Machts Euch schön!

Liebe Leser und Leserinnen,

auch wenn es schwierige Zeiten sind,
das Osterfest kann unsere guten Lebensgeister
wecken und uns stärken.
Ich wünsche Euch Freude, Gesundheit und Lebensmut,

Eure Petra
von schorheidewald.de

Eine Ostergeschichte aus meinem Archiv: Der Grasflüsterer

Morgenstunde (1157. Blog-Notat)

Das sind so Abschiede, die einem Feuchte in die Augen treiben. Abschiede vom Kraft gefluteten Leben. Als wir am Gründonnerstag die Pflanzen aus dem Hügel aushoben und in Töpfe setzten, habe ich schon die ganze Zeit geheult. Es steckte so viel Liebe in diesem Ort und er war von mir gebaut fürs Leben. Aber als mein Sohn mich heute nach meinem Befinden fragte, bevor er mit dem Rückbau von Kräuterhügel und Bachlauf begann (mein Liebster war natürlich auch dabei), schwammen meine Augen. Das legte sich sofort, als ich vehement um einen Themenwechsel bat.  Aber mein Befinden ist schlecht und schwach. Er sorgt sich, ich bin seine Familie. Bin froh, dass Jan eine Verlobte hat und sie Heiratspläne schmieden. Sommer 27, ob ich das erlebe, keine Ahnung, ich hege Zweifel, weil es jetzt so schnell mit den Einschränkungen geht. Das passt wohl zum K-Freitag, ich bin schon gläubig, pantheistisch, aber nicht religiös. Dieser Glaube aber kann nur mir helfen…

Und so sah es hier einmal aus…

Morgenstunde (1156. Blog-Notat)

Gründonnerstag und ich warte auf ein Wunder. Denn das alte Handy war wohl doch noch nicht zu alt: Wenn man sich so stumm im Funkloch räkelt, bekommt man eben nicht mit, dass Otelo meine mitgenommene Telefonnummer auf die ursprünglich im Vertrag vorgesehene zurückgesetzt hat. Monatelang habe ich mit meiner alten Nummer telefoniert und wurde auch angerufen. Zuletzt im Krankenhaus im November. Ich stutzte nur, dass ich an mein PayPal-Konto nicht kam und immer wieder Identitätsnachweise von mir verlangt wurden, die aber ins Leere liefen. Als ich letzten Montag das neue iPhone bekam, sagte mir die Verkäuferin, dass dieses Handy eine ganz andere Nummer hätte. Ich staunte Bauklötzer. Zuhause suchte ich den Vertrag und sah, es ist exakt die Numme, die durch meine mitgenommene Nummer ersetzt wurde. Hoppla, welche KI hat hier Hand angelegt??? Habe Kontakt mit Otelo aufgenommen, die Sache ist in der Bearbeitung. Kinner ne, was alles geschieht und wieviel Ärger das bringt…

Morgenstunde (1155. Blog-Notat)

Die Verschlechterung kam letzte Woche aus dem Nichts. Keine Erkältung, keine Lungenentzündung – ich nenne es mal einen „stillen“ Schub. Heißt, nach deutlich weniger Bewegung, kommt schon die Flatteratmung, begleitet von einem Ziehen im Brustkorb und dem Abfall der Sauerstoffsättigung auf 80er Werte. Das fühlt sich bescheiden an, es zieht eine Müdigkeit ins Herz. Vorgestern war es schlagartig wieder etwas leichter. Nicht gleich Japsen und Hinsetzen nach ein paar Schritten. Die Schwankungen sind nur minimal, aber dieses Müh fühlt sich deutlich besser an. Alles nimmt Einfluss: Wetterwechsel, Stress, Stimmungen und natürlich die tunlichst zu vermeidenden Infekte… Gestern schlug das Pendel wieder zurück, als ob da was unter den Rippen sitzt und sticht. Es sollte wärmer werden…
Heute scrolle ich mich durch die Kräuterportale und bestelle ich Königskerzenblüten, Lindenblüten und Isländisches Moos. Schafgarbe habe ich noch vorrätig. Aus diesen vier Ingredienzien mische ich nach Dr. P.N. zu gleichen Teilen einen Infektanflugstee. Einen Teelöffel auf eine Tasse, 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen. Eine Tasse am Tag trinken, wenn man glaubt, da kommt was, vermeidet so manchen Ausbruch. Wenn die Nase schön läuft, ist der Tee für die Katz.
Mit dem Rest Königskerzenblüten werde ich jetzt Dampfbäder probieren. Das ist Schleimlösend, ich kaufe lieber das Original statt teure Wundertropfen… Der Tee gegen nervösen Blutdruck aus der Klosterkunde schlägt ja auch gut an (nicht geeignet, wenn man Antidepressiva nimmt). Für die Psyche ist es natürlich wärmend, wenn man sich um sich kümmert. So steige ich in meine Versuche und denke, besser als nur schlapp Abzuhängen, wenn draußen der Wind weht und das Atmen beschwerlich. Es gibt diese Tage, da ist die COPD sehr präsent und lässt sich nicht von einer schönen Idee aus dem Hirn vertreiben. Diese Tage muss man hinnehmen lernen…

Lykik-Krümel

Gestaltete Lyrik.

Morgenstunde (1154. Blog-Notat)

Die letzte Zeit hat doch einigermaßen genervt. Zuerst wurde meine t-online-Mailadresse gehackt. Es brauchte professionelle Hilfe, darauf zu reagieren und die Sache mit neuen Passwörtern einzurichten in Ein- und Ausgängen. Gestern verlangte mein Smartphone einen Identitätsnachweis, was mir nicht gelang, weil mich der Code nicht erreichte. Wir wohnen im Funkloch… Unser Computerservice in Zehdenick hilft älteren Menschen technische Probleme zu lösen, die haben mir das zu heute neu eingerichtet. Aber als man mir ein paar Apps anmelden wollte, kamen die Sicherheitscodes nicht auf dem Handy an. Fragezeichengesichter. Schlussendlich war das Handy zu alt, es wurden einfach etliche Funktionen nicht mehr unterstützt. Also brauchte ein jüngeres Modell und sie hatten für mich ein iphone 13 für angemessenes Geld, dass sie mir gerade einrichten… Die Ausgaben summieren sich. Und heute nun das Fake-Profil auf Facebook. Ehrlich, das ist für ein spätes Mädchen im zarten von 72 Jahren doch etwas zu viel von modernen Ereignissen. Die kosten Nerven. Fazit: Die Woche war für die Tonne, es kann nur besser werden…

Morgenstunde (1153. Blog-Notat)

Ist ja immer was. In der Novelle FLÜSTERTON fehlen an drei Stellen Leerzeilen zwischen den Kapiteln, was einer Leserin aufgefallen ist… Nun habe ich Korrekturzettel für die schon gefertigten Hefte getippt und geschnitten und in diese neun Ausgaben gelegt.  Manche Verlagsproduktionen hatten früher auch schon Korrekturzettel 😊… Ab der Nummer 24 ist die Sache bereinigt.
Dieser Tage kam eine Anfrage aus Słubice von der Leiterin der Bibliothek des Collegium Polonicum: Sie bereiten eine kleine biographische Ausstellung über den Übersetzer und Schriftsteller Henryk Bereska zu seinem 100. Geburtstag vor und fanden in seinen Unterlagen eine Vignette vom einstigen Burgschreiber zu Beeskow – von mir unterzeichnet… Ich habe damals als ich freie Redakteurin des Märkischen Marktes Beeskow gearbeitet und einige Burgschreiber redaktionell betreut. Für jeden hatte ich eine kleine Zeichnung gefertigt. Die von Bereska soll auf eine Ausstellungstafel und sie brauchten meine Freigabe. Allerdings hatten sie nur eine ganz schwache Kopie und ich dachte, irgendwo hast du noch einen besseren Laser-Druck. Das Original ist offenbar in Bereskas Familie verschollen. Kinner ne – einmal durch 25 Jahre Ablage… das vorletzte Blatt in der allerletzten Sammel-Mappe war es dann. Wenigstens war die Sucherei nicht umsonst, in Słubice hat man sich gefreut.  Ach, sowas ist doch herrlich 😊 nicht wahr?
Übrigens habe ich die meisten Vignetten für den Märkischen Markt (Das Blatt gibt es nicht mehr) in der Regionalbahn R1 gezeichnet. Gleich hinter Erkner ging es schnurgerade eine halbe Stunde durch die Märkische Provinz in Richtung Oder. Der Zug glitt geradezu ohne Wackler voran, da konnte ich nicht nur Skizzieren, sondern auch Ausführen. Und manchmal stand der Zugbegleiter hinter mir und sah mir beim Zeichnen zu 😊 …

Hier geht es zu den Lesekostproben:

Flüsterton (1)
https://www.schorfheidewald.de/oeffentliches-schreiben-an-einer-geschichte/flusterton-1/
Flüsterton (2)
https://www.schorfheidewald.de/oeffentliches-schreiben-an-einer-geschichte/klausur-woche-iii-2/

Zu den anderen Heften der EDITION.

Morgenstunde (1152. Blog-Notat)

Festgefahren. Ich sehe in diesem Land keine Idee für eine zukunftsträchtige Entfaltung der Republik. Es ist, als halten alle nur noch ihre Felle fest, die Machtzipfel, die Genusswinkel, die großartigen Bezüge. Es gibt kein neues, mitreißendes Denken, nur ein Verharren und Abdriften. Aber sie feiern ihre mageren Siege, als wären sie unschlagbar und beschwören alte Formeln. Ich sitze dann kopfschüttelnd von der Glotze und denke: Mann, nun rappelt Euch doch mal endlich! Tragt frischen Wind in Eure Amtsstuben. Schickt überflüssiges Personal in die Umschulung und weiter dorthin, wo es gebraucht wird. Streicht das überbordende Gesetzbuch zusammen und alles, was Entwicklung hemmt. Das Beamtentum wird sich nicht selbst regulieren, es braucht auch hier mutige Einschnitte. Und wieso eigentlich leistet sich der Staat immer noch einen zweiten Amtssitz in Bonn? Und wieso eigentlich zahlen die Krankenversicherten, Gesundheitsleistungen für Leute, die nie eingezahlt haben? Da greift der Staat in Taschen, die ihm nicht gehören und treib indem die Krankenkassen-Beiträge in die Höhe. Und, und, und… überall Schwermut.

Morgenstunde (1151. Blog-Notat)

Als ich gestern den Lesegarten nebenher erwähnte, dachte ich anschließend, es wäre doch mal schön, ein paar Erinnerungsfotos zusammenzutragen. Aus der Blütezeit. Entwickelt haben wir diesen Themengarten 2009, als meine Schorfheidemärchen geschrieben waren und ich auf den Druck des kleinen Bändchens im Schibri Verlag wartete. Es dauerte ein Jahr und in der Zwischenzeit warb ich mit diesen Märchenbannern im Lesegarten für meine Geschichten. Der Ort erlebte wunderbare Feste mit entspannten Besuchern. Im Sommer 2019 schwand meine Kraft deutlich und wir stellten die Tage des offenen Ateliers ein. Seit Herbst 19 dämmert der Garten so vor sich hin, die Dinge wachsen zu oder verrotten. Ein bisschen ist es so wie mit mir selbst 😊.  Es war einmal in einem Garten…