Das Postmachen
Nach einem winzigen Frühstück ziehe ich jeden Morgen mit einem Pott Filterkaffee vor den Computer und checke die Mail-Post. Inzwischen geht das ratzfatz, denn auch die sogenannten Mail-Briefe werden immer seltener. Meist fliegen einem nur ein paar Wortfetzen um die Ohren und ich antworte dann ebenso im Staccato. „Richtige“ Briefe muss man sich verdienen, denn diese Jedermanns-Literatur ist randvoll von Stimmungsbildern und Lebenstatsachen, die Nähe herstellen. Wer sich drauf einlässt, begibt sich in ein immerwährendes Gespräch.
Vor Jahren bekam ich diese wundervolle Künstlerpost von meinem Malerfreund Ecki. Er ist leider vor 15 Jahren gestorben, sonst würde ich bestimmt heute noch sieben handschriftliche Seiten zum Jahreswechsel bekommen. Schon die gestalteten Umschläge waren eine Schau, und die Briefe selbst hatten zu seinen nachdenklichen Texten auch immer farbige Skizzen dabei. Alles kleine Originale. Ich habe sie geheftet und bewahre sie auf wie einen Schatz.
Zum Jahresausklang bekamen alle meine Atelierbesucher Weihnachtsbriefe. Einmal im Jahr mit Briefmarke per Post für alle jene, die mit dem Virtuellen auf Kriegsfuß standen. Inzwischen freue ich mich über gehaltvolle Mail-Briefe ebenso wie über Analoge. Die Guten kommen als Papierdruck in meine Sammelbox. Ist eine gewisse Fülle erreicht, werden sie zu einem Briefe-Buch gebunden. Gutes geht nicht verloren. Ich freue mich schon auf Morgen, da kommt bestimmt der Sonntags-Mail-Brief von meiner Freundin Ines…













