Morgenstunde (1206. Blog-Notat)

Als Kind spielte ich mit allen Kindern, die im Sandkasten saßen. Wir lernten uns zu fetzten und zu vertragen. Auf dem Schulhof begegneten sich noch alle Schichten und wir lernten unser Anderssein zu akzeptieren. Alle Meinungen, die da waren. Als wir aus der Schule kamen, hatten wir ein gutes Gespür dafür, was es alles gibt unter uns Menschen.
Heute sind die Wahrnehmungen andere: Kinder wachsen in „Filterblasen“ auf, Familien lassen in ihrem Umfeld nur Gleichgesinnte zu und jetzt sehen wir die Blüten, die das treibt. Man hat in den vergangenen 15 Jahren die unbequemen Meinungen ignoriert, bis sie so mächtig wurden, dass die bewährten Meinungshoheiten ins Wanken gerieten. Und um die „Brandmauer“ hochzuhalten, entstanden u.a. diese unseligen Meldestellen, die unverhohlen zum Denunziantentum aufrufen, um ihre Demokratie zu schützen, nicht unser aller Demokratie. Das hätte sich die Stasi nicht gewagt. Die agierte verdeckt. Aber ganz offen Andersdenkende zu canceln und damit existenziell zu bedrohen, das ist so eine Giftblüte dieser Zeit und sie wuchert grundgesetzwidrig:

Artikel 5: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Das Gebäude „Demokratie“ bröckelt heute aus der Mitte heraus oder besser gesagt von Innen. Es ist ein Unding, dass der Kulturkampf im Lande so abgehoben und ideologisiert ausgrenzt. Es ist einfacher sich zu verweigern, oder besser gesagt feige, nicht die Debatte im gesamten Gesellschaftsraum zu führen.

Morgenstunde (1205. Blog-Notat)

Immer, wenn ich zu meinem Lungenarzt muss, habe ich Stress und der Blutdruck geht an die Decke. Vor allem, weil die neuen Werte mir dann sagen, was ich schon längst spüre: Das Atemvolumen schrumpft und also auch die Meter, die ich ohne Schwierigkeiten gehen kann usw. Ich wollte und will diesen Stress nicht mehr hinnehmen und habe mir im Frühsommer etwas ausgedacht. Wir sind außerhalb der Termine in der Finowfurter Praxis gefahren und ich habe einen dicken Briefumschlag an der Rezeption für meinen Arzt hinterlegt. Darin war eines meiner Bücher „Der Duft der warmen Zeit“ mit einer Karte und dem Spruch „Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer!“ Ich dachte mir dabei, wenn ich das nächste Mal zu ihm muss, kann ich ja mir vorstellen: Endlich komme ich dazu, mir seine Reaktion abzuholen (und nicht ich MUSS heute…). 😊 Es ist nicht ganz aufgegangen, denn ich bekam sofort von ihm eine hocherfreute Mail und später noch eine, als er das Buch gelesen hatte. Die Verwandlung vom lebensschwachen Objekt zum Subjekt 😊Das war mein Ansinnen und vielleicht gelingt es mir so, die negativen Begleitemotionen umzuwandeln, wer weiß…

Das Buch gibt es übrigens noch im Handel, siehe hier.

Morgenstunde (1204. Blog-Notat)

Es war eine inspirierende Woche. Es gab Gurken und Tomaten im Garten, drei Froschwinzlinge am Teich. Ein Essen in Templin und 15 kleine Vorlesungen beim Online-Kongress „Lebensfreude statt Lebensfrust“ mit Prof. Hüther und seinen Gästen. Einiges war sehr spannend. Da ging es um Innere Verträge, Potenziale erkennen, um Neugierde und Mitgefühl und einen Satz von Verena König, der auch für Kranke stimulierend ist: Selbst, wenn ich… (z.B. den Berg nicht mehr hochkomme), so kann ich aber doch… (den Berg aus dem Tal ansehen). Die Hinzufügungen kann sich jeder selbst für sich suchen. Das erinnert mich an das Gedicht von Rose Ausländer:

Noch bist du da

Wirf deine Angst
in die Luft

Bald
ist deine Zeit um
bald
wächst der Himmel
unter dem Gras
fallen deine Träume
ins Nirgends

Noch
duftet die Nelke
singt die Drossel
noch darfst du lieben
Worte verschenken
noch bist du da

Sei was du bist
Gib was du hast

Ja, das muss ich mir immer wieder vergegenwärtigen. Nicht alles, was ich da beim Kongress zu hören bekam, hat mich gefesselt, aber es gibt immer wieder neue Einsichten. Bis Sonntag geht die Wissensvermehrung. Nachmittags hab ich dann doch noch meine Weihnachtsgeschichte für 2026 geschrieben. Mit dem Zeichnen dazu geht es weiter… Schönes Wochenende allerseits!

Morgenstunde (1203. Blog-Notat)

Ist es nicht herrlich, wenn die Hitze endlich abklingt? Pure Erleichterung macht sich breit. Hitze macht nachgewiesener Weise denkfaul, lustlos, langsam, konzentrationsschwach – krank, kränker… Hitze sorgt nicht nur für Kreislaufprobleme, sie schlägt eben auch aufs Hirn und wenn die Ü-30-Tage weiter zunehmen, schwächelt die komplette Jahresleistung. Jedenfalls bei Kindern, Alten und Kranken. Mich macht sie leer. Die Ideen verflüchtigen sich. Vor lauter Verzweiflung habe ich mir in der letzten Hitzewelle Weihnachtsfilme bei prime angesehen. Vorzugsweise Geschichten im Schnee… sorgten wenigstens für seelische Abkühlung 😊. Es ist die Dauer der Hitzewellen, die diesen Sommer für mich und viele andere so unerträglich machen. Deshalb glaube ich, wir müssen das Leben und Arbeiten in den Hitzewellen der Zukunft neu denken. Ideen wie Agroforst und Schwammstädte sind nur erste Ansätze…

Unsere Linde als dominanter Mutterbaum im Garten. Kaum beschnitten, bietet sie einen raumgreifenden Schattenplatz, der wie eine lichte Höhle wirkt.

Zielgruppe: Autoren

Schon seit Wochen dreht die Frankfurter Buchmesse das große Rad der Werbung, da ist ein Autor nicht wirklich überrascht, wenn sich der SWR via Mail meldet, um eine bestimmte literarische Perspektive einzuholen, die in die Berichterstattung einfließen soll.  Merkwürdig nur, wenn sich die Redakteurin auf ein (mein) Buch bezieht, dass schon 2018 erschien. „Vom Duft der warmen Zeit“. Sie schwärmt, dass der Honig tropft, das tut der gebeutelten Schreiberseele gut, auch wenn man sich dann schon fragt: Warum erst jetzt, wo ich am Lebensende stehe? Und irgendwie klang die Lobhudelei doch schon nach KI. Man wird dann gebeten, sein Interesse zu bekunden und es folgt eine zweite Mail, die von einem Teilnahmebeitrag über 200 € spricht. Da war ich fertig mit dem Versuch, weil es journalistischer Kodex beim ÖRR ist, für solche Gespräche niemals Geld zu verlangen. Ich habe die Mail dem SWR weitergeleitet und was ich ahnte, stellte sich nun als wahr heraus: Der Sender und auch der Name Redakteurin wurden zum Phishing missbraucht.
Also liebe Kollegen, wenn Euch so eine dubiose Einladung erreicht, dann geht nicht darauf ein und leitet sie an den echten Sender weiter, sie sammeln die Vorfälle und gehen juristisch vor.

Morgenstunde (1202. Blog-Notat)

Kurz vor Friedrichswalde auf der Döllner Straße…

Wie macht man das: in der Welt bleiben? Und wie behält man den Mut zu kleinen Ausflügen „in diese Welt“, wenn sie nicht gut gelingen? Wir versuchen wenigstens einmal die Woche gemeinsam vom Hof zu kommen, doch schon bei kleinen Belastungen streikt mein Kreislauf, weil die Organe und die Muskeln nicht genug Sauerstoff bekommen. Heute nahmen wir den Katzensprung über die Oder, um auf dem Polenmarkt Vollzutanken, Zigaretten und Butterkäse einzukaufen. Das Laufen in der Sonne vom Parkplatz zu den Ständen brachte mich schon nach schlapp 200 Metern ins Wanken, so dass wir unfreiwillig das nächstbeste Schnell-Restaurant betraten. Das Essen war mäßig, aber ich konnte die Krise aussitzen. Spaß geht anders…
Was aber wirklich wunderschön war – die Fahrt durch den großen Schorfheidewald zwischen Großen Döllnsee und Wuckersee, vorbei an den Torwächterhäuschen von Carin Hall, hinunter zur Judenbrücke und weiter auf dem Kopfsteinpflasterdamm nach Friedrichswalde… Die Luft war frisch und das Sattgrün streichelte die Seele. Hier wohnen viele meiner Märchen…

Moosgrün zum Beispiel:

Morgenstunde (1201. Blog-Notat)

Mir war heute, als wäre es ein träger Sonntag im August. Alles ging mir nur langsam von der Hand. So ist die Lebenszeit mit COPD. Es gibt ab und zu gute Tage, die anderen sind gezeichnet von allem Möglichen. Von Schwäche, von Kurzatmigkeit, von Brustkorbschmerzen … und manchmal ist eben all das auf einmal und an einem solchen Tag will ich einfach nur schlafen oder spielen. Hab mich für letzteres entschieden und ein Windschiffchen gebaut. Zum Spaß. Das Segel ist ein Cartoon-Ausschnitt auf Transparentpapier gedruckt, der nun laminiert über einem Treibholz flattert. Ich werde noch ein paar Kleinere fertigen, bei denen das „Schiffchen“ aus einem Lindenhölzchen geschnitten sein wird. Irgendwann die Tage, wenn ich mal wieder eine Spielzeit brauche. Habt einen schönen Abend alle miteinander…

Morgenstunde (1200. Blog-Notat)

Neue Woche, neues Glück? Naja, erstmal nur nächtens reingestolpert. An der Teppichkante hängengeblieben, mit rechten dem Arm auf dem Esstisch gelandet, um das Stolpern abzufangen. Ja schön, das war gelungen, aber nun ist der ganze Unterarm blau. Pergamenthaut (vom Kortison) hält keinen Stupser aus, sondern reagiert mit bizarren Einblutungen. Es könnte ruhig mal nix sein, aber es ist eben immer was…
Für ein paar Pinselstriche am Auftragswerk wirds reichen. Sibirische Tundra ist gewünscht, die tiefe Weite wird schon langsam, am Vordergrund ist noch zu arbeiten. Während der heißen Mittagsstunden ist dafür genug Gelegenheit. Dieser Sommer heizt uns allen mächtig ein, aber nicht nur wettermäßig. Es ist, als bräuchte es nur einen Funken durch „fremde Mächte“ (wie Dobrindt sie nennt), um den nächsten Weltkrieg zu entfachen. Eine seltsame Schwebe taumelt über der Jetztzeit.

Morgenstunde (1199. Blog-Notat)

Dem kleinen Teufel im Efeu hat die Spatzenbande ganz schön zugesetzt. Wahrscheinlich ist er einfach zu winzig, dass jeder es mit ihm aufnehmen kann. Die Welt ist nicht gerecht.
Apropos 1199, bei dieser Zahl schwant mir was. Erinnert Ihr Euch noch an die neue Jugendsendung Elf99, die ab September 89 eine ungekannte Lippe „riskieren“ durfte? Benannt nach der Adlershofer Postleitzahl, läutete die Redaktion zumindest die kritische Berichterstattung über die letzten Atemzüge der DDR ein. Nun denn, vergessen und verrauscht. Wie alle, die damals Medien machten.
Eine hält immer noch das Heft in der Hand. Ingeborg Dittmann hat nach der Wende das Bürgerblatt Jot w.d. gegründet und es durch die Stürme der Zeit manövriert. Jahrzehnte schaut inzwischen das Magazin hinter die politischen Kulissen und schießt Federpfeile vom Rande ins Zentrum. Darüber hinaus porträtiert die Rock-Lady Inge (einst Musikredakteurin, später Chefredakteurin beim Neuen Leben) ostdeutsche Musiker und Kulturschaffende. Ein Leben für die (ihre) Zeitung. Neulich hat sie Micha Seidel auf seinem Kanal „Biertrinken mit Micha…“ sehr unterhaltsam vorgestellt. Lohnt sich reinzuhören! Heute bekam ich die jüngste Ausgabe von Jot w.d., worin meine Friedenstaube ein Plätzchen fand. Ich danke dafür!

Morgenstunde (1198. Blog-Notat)

Halb Teich, halb Sumpf…

Nachdem der Liebste kurz nach neun Uhr nach Gera aufgebrochen war, wurde der Tag plötzlich langsam und still. Die Beerdigung seines Onkels rief ihn in den Süden, acht Stunden Fahrt hin und zurück…. Mich hat man freundlicherweise entschuldigt, weiß ja jeder, was ist… und so bin ich, bevor die Hitze zuschlug, noch ein paar Duzend Zentimeter Teichufer beschneiden gegangen. Eine halbe Stunde vielleicht, dann musste ich ins kühle Häuschen flüchten. Unterwegs rupfte ich noch Brennnesselblätter, um daraus ein Pesto zu fertigen, mit Knofi und gehackten Walnüssen, ich mags auf frischen Tomaten. Seitdem gönne ich mir Ruhe, denn ehrlich, die tagelange Hitze schlaucht, erst recht, wenn tropische Nächte keine Erleichterung bringen. Hat jemand mitgezählt, wie viele Tage wir in diesem Sommer schon über 30 Grad hatten? Bestimmt rekordverdächtig und die nächste Welle deutet sich schon in der Großwetterlage an. Kinner ne, es reicht…

Brennnessel-Pesto:

Nesselblätter beherzt vom Stängel ernten. Mit heißem Wasser überbrühen (dann brennen die Blätter nicht mehr). Das abgetropfte Kraut mit Sonnenblumen- oder Walnusskernen, Salz, Pfeffer, Knoblauch in einer Schlagmühle zerkleinern, Rapsöl oder Olivenöl dazugeben – fertig ist der vitamin-C-haltige „Venenputzer“.