Seelisch erschüttert stand sie im Wind,
getroffen von einem stummen Schrei.
Die fremde Schwingung ließ sie wanken
und schauen auf ein Sehnsuchtsbild
in seinen fernen Gedanken. (pe)

Zeichnung von Petra Elsner
ATELIER PETRA ELSNER
Niemand ist immerzu so oder so.
Niemand weiß alles.
Niemand bleibt, was er augenblicklich ist.
Niemand bleibt wo er ist.
Jemand kommt und sieht.
Jemand wundert sich.
Jemand wehrt sich.
Jemand urteilt.
Jemand.
Mann ist nicht Frau:
Und Frau ist nicht Mann.
Mann sein und Frau sein bedeutet, anders empfinden.
Es gibt kein gleich sein,
nirgendwo.
Ich sein kann heißen:
Da sein und weg sein.
Seins finden, sich finden.
Ohneeinander, füreinander,
auch gegeneinander,
jeder.
Jeder ist anders,
Was ist jung, was alt?
Grün oder reif? Bunt oder steif?
Quatsch.
Mal laut, mal leise,
mal egozentrisch, mal fürsorglich,
mal froh, mal traurig,
mal alt, mal jung.
Wer denkt, verrennt sich zuweilen.
Wer nicht neu beginnen kann, wird starr.
Dazwischen ist es manchmal entsetzlich,
in alt oder jung – egal.
Nebel steigt vom Fließ auf
und zeichnet einen weißen Streif ins Land.
Vom Nachthimmel tönt das Geschrei der Kraniche,
sie nehmen Abschied von der prallen Zeit.
Der Herbst duftet morbid nach Fäulnis,
doch leuchtet er im Sonnenglanz flammend und feurig,
berauschend wie ein Tangotanz.
Lass Ruhe in mich fließen,
eine Ruhe, die den Sturm gebiert,
keinen sanften Luftzug nur.
Keine Nähe hebt die Ängste auf,
was immer dich auch quält.
Ängste deuten dir ’n Grenze auf,
hinter der die nächste steht.
Lass Ruhe in mich fließen,
eine Ruhe, die Kraft generiert,
keinen schlappen Luftsprung nur.
Keine Liebe macht die Menschen gleich,
wie einzigartig sie auch sei.
Liebe klammert dich ans Leben
nach dem Strudel bist du frei.
Lass Ruhe in mich fließen,
alleine find ich diese Ruhe nicht,
bin wilder Strudel nur.
Keine Freiheit ist allein was wert,
wie verheißungsvoll sie auch sei.
Freiheit zielt auf eine Lebensart,
die die Einzelnen vereint.
Lass Ruhe in dich gießen,
eine Ruhe, die den Sturm gebiert,
keine warme Deckung nur.
(Gedicht oder Liedtext – wer weiß.)
Der Morgen trägt schillernden Tau,
er funkelt ein Lächeln in den Tag.
Geblendet ziehen die Schatten der letzten Winternacht
und ein Hauch von Frühling weht in das junge Jahr.