In der Harlekinweide flattern zehn, zwölf Blaumeisen um den Futterspender. Ein friedliches Bild (was ich fotografisch nicht fangen kann), ganz gleich, wie ich drauf schaue. Ob mit stiller Freude des Anblicks wegen oder mit Sorge über die Nachrichtenbilder im Hinterkopf – das Bild verwandelt sich nicht, nur mein Blick darauf. Die Schönheit des Seins ist noch gegenwärtig, aber unsere Lebensschönheit schwindet. Nicht nur weil die Bilder der Zerstörung uns umzingeln, es ist die Zeit in der wir leben, die sich nicht mehr mit dieser inneren Schönheit schmückt. Wenn ich die vergilbten Fotos meiner Großeltern betrachte, sehe ich arme Menschen, die sich dennoch festlich kleideten, weil es Weihnachten war. Heute gilt das schon mal als „overdressed“. Aber es geht bei Lebensschönheit umso viel mehr: um beherzte Worte und genüssliche Langsamkeit. Das Gleiten in tanzenden Sonnenfunken über den See beispielsweise. Nicht schnell, schnell, sondern sinnlich. Naja, man kann sie wohl noch ahnen, wenn man Naturschauspiele betrachtet…
In der Weihnachtspost lag ein Schreiben von alten Freunden. Sie sind vor acht Jahren, als sie in den Ruhestand gingen, in die Heimatstadt an der Elbe zurückgekehrt. Seither bekommen wir jedes Jahr diesen Jahresbrief (ein schmuckloses Rundschreiben an ALLE) voll von tragenden Ereignissen und guten Taten, dass es einem beim Lesen fast schwindlig wird. Doch schaut man genauer hin, sind sie jeweils „nur“ Mitwirkende, denn andere der Stadtgesellschaft sind die stillen Helden der Ukrainehilfe und anderem. Seltsam. Ich hadere immer mal wieder über meinen Energiemangel, denke nicht selten, die Anderen halten sich besser als ich und solche Schreiben nähren diesen wenig hilfreichen Gedanken. Aber dann flüstert die Thalheim (70) beim Geburtstagsinterview, dass sie vor dem Schauspielabend den ganzen Tag im Bett ruht; und auch die Heidenreich (80) schläft vor Lesungen die Stunden davor, solange sie kann, um den gesellschaftlichen Auftritt gut zu schaffen. Das sind für mich hilfreiche Ansagen, weil ich mich dann nicht mehr so schlapp sehe. Es geht mir einfach besser, wenn andere leise plaudern, WIE ihnen manches noch gelingt. Aber dieser Brief – schwer und irgendwie protzend liegt er auf dem Poststapel, als käme er von der Sonnenseite des Lebens mit Glanz und Gloria daher. Ich lege den Brief beiseite und denke betreten, na, dann macht mal …
Aus „Von der Stille des Winters“ – Der Waldschrat. Zeichnung: Petra Elsner
Wir hatten unser stilles Fest der Liebe mit Erzgebirgischem Kartoffelsalat, Kassler und sehr vielen Taschentüchern… Heute, am 25. Dezember beginne ich mit einem einfachen Rauhnachtritual zur Wünsche-Erfüllung. Ich möchte, dass uns nächstes Jahr kein Unheil mehr trifft, und sorge also vor (wenn es denn möglich ist)… Es sind 13 Wünsche auf 13 Zettel, von denen jeden Tag bis zum 6. Januar ein ungeöffneter Wunsch verbrannt und so dem Universum überlassen wird. Der letzte, der 13. Zettel wird am 6. Januar geöffnet und für diesen Wunsch trage ich dann allein die Verantwortung. Nun denn…
eine frohe Weihnacht, Lebensglück und Gesundheit wünsche ich Euch allen und danke für die Begleitung und das Interesse an schorfheidewald.de. Das vierte Krisenjahr infolge neigt sich und wir sind wohl alle müde von den negativen Ereignissen. Halten wir für die Festzeit inne und kümmern wir uns umeinander. Eure Petra
PS: Wir haben seit gestern Abend leider zwei rote Teststreifen…
Die Weihnachtsgeschichte für 2024
Heimlichkeiten
Ende November zog Florian Bender in diese Kleinstadt mit S-Bahn-Anschluss. Damit sparte er auf seinem Pendelweg nun zwei Stunden Fahrzeit. Aber noch spürte er nichts von dem Gewinn. Dieses tägliche ins Morgendunkel treten und aus dem Abendschwarz heimkehren machten den jungen Mann unglaublich müde, dass er nachlässig die Schuhe vor der Wohnungstür abstreifte und von dort direkt auf das Schlafsofa fiel. Der Umzug und der Schichtdienst im Labor machten ihm schwer zu schaffen. Ein paar Tage später zündete der Advent ein sanftes Lichtermeer in der Stadt an. Auf der Kunsteisbahn drehten Jugendliche ihre Runden. Florian lockte ein winziger Adventsmarkt in den Stadtpark. Am Glühweinstand drängte sich eine Menschentraube. Aber gut, er hatte ja Zeit. Und wie er da so wartend stand, das Duftgemisch aus gerösteten Mandeln, Zuckerwatte und Wein in sich aufnahm, erinnerte er sich lächelnd an den kleinen Markt, den man in seinem Heimatdorf alljährlich der Gemeinschaft spendierte. „Pur oder mit Schuss?“, fragte eine helle Stimme unter der viel zu großen roten Kapuze. „Äm, pur bitte“, antwortete Florian und sah dabei in zwei fröhliche Augenlichter. Einen Moment nur, dann schob man ihn schon weg vom Ausschank. Er schlürfte langsam seinen Glühwein und schlenderte über den bunten Markt. An einem Lichterstand kaufte er sich einen kleinen roten Adventsstern, damit ging er heim.
Als Florian am nächsten Morgen die Tür zum Treppenhaus öffnete, steckte ein Tannenzweig mit Strohstern in seinen Schuhen. „Wer macht denn sowas?“, murmelte er und sah sich ratlos um. Schläfrige Stille im Haus, kein Laut. Jeden Morgen steckte fortan etwas anderes in seinen Schuhen: Schuhputzcreme, ein Putzlappen, Weihnachtstee, eine Apfelsine mit aufgemaltem lächelndem Gesicht. Am 6. Dezember fand er, obwohl die Schuhe ungeputzt waren, einen Schokoladennikolaus darin. Es folgten Nüsse, Plätzchen, Brillentücher, Lebkuchengewürz und ein handgeschriebenes Weihnachtslied. Der Mann war irritiert und zugleich wundersam berührt. Irgendjemand spielte heimlich den Wichtel, nur wer? Die Tage vergingen, und im Haus duftete es inzwischen hinter fast jeder Tür nach Weihnachtsbäckerei. In Florian machte sich so eine schöne Erwartung auf das Fest breit. Er würde Heiligabend in sein Dorf fahren, um mit Freunden und den Eltern zu feiern. Dafür schlenderte er noch einmal über den Adventsmarkt, um ein paar kleine Geschenke auszusuchen. Auf der Bühne spielten Kinder der Grundschule eine Weihnachtsgeschichte, als Florian den Plätzchenstand entdeckte. Diesmal schenkte die Wichtelfrau mit der viel zu großen Kapuze keinen Glühwein aus. Sie stand am Plätzchenstand und funkelte ihn an. „Wer hat die gebacken?“, erkundigte er sich. Sie erzählte ihm, dass sie diese mit der Klasse 4 b nach einem Rezept ihrer Großmutter gefertigt habe. „Möchten Sie ein Plätzchen probieren?“ Florian kostete: „Hm, lecker, fein-nussig und nicht zu süß. Ich nehme gerne drei Tütchen.“ Während er zahlte, rief es vom Stand gegenüber: „Hey, Lea, kannst du mal schnell kommen? Wir brauchen hier die Weihnachtsfrau!“ Florian sah ihr neugierig nach. An jenem Stand wurden Strohsterne gebastelt, und die helfenden Hände reichten einfach nicht aus. Mit hochroten Wangen nahm sich die Frau mit der viel zu großen Kapuze der Sache an. Weihnachtsfrau, sinnierte Florian und dachte: wie schön. Im Vorbeigehen wehten seine Worte durch das Kinderstimmengewirr am Sternestand: „Gefällt mir, was Sie hier tun!“ Lea sah strahlend zu ihm auf, aber da zerrte bereits wieder ein Mädchen an ihr herum: „Zeig doch mal…!“ Fünf Uhr morgens öffnete Florian leise die Tür, denn er hoffte, endlich diesen Wichtel zu entdecken. Aber nein, wieder nicht. Diesmal steckten in seinen Schuhen zwei Plätzchentüten. Genau die Gleichen, die er gestern auf dem Adventsmarkt erworben hatte. Plötzlich ahnte er, wer hier den Wichtel gab. Er stieg hinunter zu den Briefkästen und fand den Namen: Lea Winter. Sieh an, die Weihnachtsfrau hat hier ihr Quartier.
Lea Winter schlich in aller Früh vor die Einraumwohnung ihres neuen Nachbarn, dem sie hier noch nie begegnet war. Sie steckte ein paar handgestrickte Socken in die Schuhe und dachte bei sich: Schuhe vor der Haustür, was für eine blöde Marotte. Vielleicht merkt er es, wenn ich die Latschen nach dem Fest nicht mehr füttere. Als sie sich umdrehte, sah sie ein Päckchen an ihrem Türknopf baumeln. Ein roter Stern verbarg sich darin und ein Zettel mit der Botschaft: „Vom Wichtel der Weihnachtsfrau – wünsche frohes Fest!“
Der Advent geht zur Neige und alles ist gerichtet für das schönste Fest des Jahres. Nur neue Taschentücher müssen noch beschafft werden… Meine bebilderte Wichtelei zeigt heute den Staunenden. Ich bin mir inzwischen uneins, ob derlei Zeichenarbeit noch Sinn macht. In keinem Jahr zuvor sind mir so viele Adventskalender begegnet wie in diesem. Gefühlt bietet jeder Zweite einen zum Mitzählen an. Das Türchen öffnen ist vielerorts sogar zum Bratwurst-Glühwein-Event geworden und macht dem Eigentlichen zwar nicht Konkurrenz, aber zusätzlichen Stress. Sollte es nicht nur die Tage durch den Advent mit Vorfreude flankieren? Die Adventskalender sind inflationär geworden, da bin ich wohl raus.
Zwischen Post beantworten, Kochen, Schniefen, Sprunggelenk-Training hatte Lust auf neue Spachtelarbeiten. Zwei weitere sind es geworden, auch die Passepartouts sind geschnitten… Das macht zwischen den Husten- und Niesanfällen doch gute Stimmung… Ich werde die Arbeiten jetzt in Folientüten stecken, denn nicht alles kann auch gerahmt werden, auf die Dauer zu teuer… Habt alle miteinander einen schönen 4. Advent!
Es ist heute die tiefste Dunkelzeit des Jahres: Wintersonnenwende. Eine Zeit, in der auch die Deutschen sehr emotional und so besonders verletzlich sind. Die gestrige Terrorfahrt über den Magdeburger Weihnachtsmarkt ist grausam, verstörend und zeigt, wenn ein Einzelner aufbricht, um sich für irgendetwas pauschal zu rächen, ist er kaum aufzuhalten. Ein Schatten liegt nun auf der Weihnachtszeit 2024…
Unterwegs in den letzten Tagen hat mir doch irgendeine Schniefnase noch kurz vor dem Fest ein paar Bazillen verpasst. Durchaus verzichtbar, aber was will‘ste machen… muss man durch. Gestern kamen noch drei Bilder aus einer Sommerausstellung nach Hause, die noch auf den Speicher mussten. Eins davon behielt ich im Atelier, als schmückende Inspiration…obwohl ja eigentlich schon genug rumhängt, keimt da wieder Lust, Neues zu schaffen. Ich werde mich heranpirschen…
Manche Dinge scheinen sich zuweilen koboldartig zu verstecken. Als ich im August feststellen musste, dass mir die Kraft fehlte, um an Krücken zu gehen, suchte ich nach meinen Hanteln. Ich wusste, wir haben welchen und ahnte, wo sie hingekommen seinen könnten. Doch sie waren nirgends aufzufinden – und wir haben tagelang gesucht… Um das Krafttraining zu beginnen nahm ich zunächst zwei Wasserflaschen. Gestern – nach vier Monaten!!! Fand ich sie endlich😊. Sie hatten Deckung hinter dem MAGENTA-Receiver-Karton genommen, den ich vor gut einem Jahr unter das Atelier-Sofa geschoben hatte. Für den Moment eben 😊. Meine Güte, die Dinge haben ihr Eigenleben, wenn man sie loslässt. Das war für mich einst (1996) sogar ein Ausstellungsthema: „Was geschieht nachts in meiner Küche, wenn ich nicht drin bin?“ Es ergab sich daraus ein witziges Wirrwarr von gespachtelten Bildern… Die Werkzeuge für mein tägliches Muskulatur- und Gleichgewichtstraining halte ich aber nun gut beieinander – es geht voran…
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